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Friederike Trippen -
Saarbrücker Zeitung, Dienstag 27. September 2005

Musik in und für "Jazz-City"


Das Schmidt-Brandt-Quintett spielte am vergangenen Sonntag zum Abschluss der diesjährigen, inzwischen 15. St. Wendeler Jazz-Tage im Wintergarten von Angel's Hotel am Fruchtmarkt. Die Band hatte für jeden Jazz-Geschmack etwas zu bieten.


St. Wendel.Wir sind weit weg, weit über dem großen Ozean, mitten in New York. Zwischen riesigen Häusern herrscht buntes, geschäftiges Treiben, zu erkennen an aufwühlenden, lauten Klängen. Am Stadtrand aber oder in Parks fliegen Vögel munter durch die Luft, die in hellen Gesängen Zwiegespräche führen. Einmalig imitieren dies schwirrende, hohe Triller und Rufe des Sopransaxofons, die sich immer aggressiver verdichten und virtuos überschlagen. So hört es sich an, wenn Jazz-Spezialisten die Metropole New York in eine Jazz-Stadt verwandeln, in eine "Jazzity" ("Jazz-City"), wie Drummer Stephan Brandt seine Komposition genannt hat, die er nach den Eindrücken einer New-York-Reise schrieb. Und damit schlug das Schmidt-Brandt-Quintett am vergangenen Sonntag zum Abschluss der diesjährigen, inzwischen 15. St. Wendeler Jazz-Tage geschickt den Bogen zum Konzertort St. Wendel, das mit Recht ebenfalls als "Jazz-City" bezeichnet werden kann. Denn Jazzmusik wird in St. Wendel groß geschrieben. Über das Jahr verteilt finden an verschiedenen Orten in der Stadt zahlreiche Jazz-Sessions und Konzerte statt. Und immer, wenn Jazz angesagt ist, treffen sich viele begeisterte Freunde, die sich über ihr gemeinsames Hobby wie zu einer großen Familie verbinden. So war es auch am Sonntag, als das Schmidt-Brandt-Quintett das Jazz-Wochenende fulminant abschloss. Während der vielseitigen Musik, die für jeden Jazz-Geschmack etwas zu bieten hatte, waren nur entspannte, zufriedene Gesichter zu sehen, die bereits zwei Tage und Nächte Jazz-Feuerwerk hinter sich gebracht hatten. Und wie in einer Familie, so herrschte auch beim Konzert der saarländischen Band eine vertraute Atmosphäre. Denn kaum eine andere Musik zeigt so viel vom gegenwärtigen Empfinden der Musiker, die dem Publikum ihre ganze Gefühlswelt, ihr Innerstes offenbaren. Davon leben die augenblicklichen und spontanen Improvisationen. Für diese besondere musikalische Atmosphäre am Sonntagvormittag eignete sich der geräumige Wintergarten von Angel's Hotel hervorragend, der schon an sich eine warme und gemütliche Stimmung ausstrahlt. Und gleich mit dem ersten Stück kam das Quintett zur Sache. Wobei sich alle Musiker auf ihre ganz persönliche Art als Meister ihres Faches erwiesen. Mit virtuosen, mitreißenden Tenorsaxofonsoli sorgten Oleg Berlin und Thomas Girard dafür, dass auch die letzten Müden sofort hellwach wurden. Auch Stefan Engelmann am Bass zeigte sogleich, dass er den Jazz-Rhythmus im Blut und tief verinnerlicht hat. Pianist und Bandleader Jürgen Schmidt fühlte sich in allen Spielarten des Jazz gleichermaßen wohl, ob in fast romantisch-lyrischen, kunstvoll verzierten Passagen oder dort, wo er feurig-temperamentvolle Akzente setzte. Stephan Brandt am Schlagzeug wiederum schloss in seinen Soli die Augen, ging völlig in der Jazz-Welt auf und wurde eins mit der Musik, scheinbar ohne nachzudenken, was er wie als Nächstes spielen würde. Und dabei entwickelten sich atemberaubende Soli, bei denen man die Stöcke kaum noch einzeln erkennen konnte.

Eine besondere Meisterleistung bot Oleg Berlin in der winterlichen "Schneeflöckchen"-Komposition, in der man zunächst leicht, hell und weich die Schneeflocken treiben sah. Diese Idylle entwickelte sich jedoch über ein stärkeres Schneetreiben - bis hin zu einem bedrohlichen Schneesturm, in dem der Saxofonist erfolgreich brillierte. Festivalleiter Ernst Urmetzer freute sich über den hervorragenden Verlauf der Jazz-Tage: "Die einzelnen Beiträge waren alle sehr gut besucht. Und auch die Musiker selbst haben sich über das Publikum gefreut, das interessiert und konzentriert die Darbietungen verfolgt hat." Besonders gut angenommen worden sei das erstmalige Projekt, Stummfilme vorzuführen, zu denen live eine Filmmusik gespielt wurde. "Die Sternstunde war die Sängerin Cécile Verny, die mit ihrer warmen Art direkt einen Draht zum Publikum fand. Da hat es im Saalbau geprickelt", so Urmetzer.