Friederike Trippen -
Saarbrücker Zeitung, Mittwoch. 24. September 2003
Viel Wirbel auf Bühne und Tanzfläche
Mit einer Fiesta con Salsa & Balkan Blues gingen am Sonntag im Saalbau die 13. St. Wendeler Jazztage zu Ende
Die 13. St. Wendeler Jazztage sind Geschichte. Sie sind offenbar eine Erfolgs-Geschichte. Nicht ohne Grund waren die Besucher der Abschluss-Party des Festivals begeistert von der gebotenen Musik.
Die Sprache der Musik ist international und verbindet Menschen verschiedener Nation und Hautfarbe auf spielerische und fröhliche Weise. Das bewiesen auch die dreitägigen 13. internationalen St. Wenderler Jazztage, die am Sonntag mit einer Fiesta con Salsa & Balkan Blues im Saalbau zu Ende gingen.
Das Festival stand unter dem Motto "Berührungen zwischen Ost und West". Und so wurde sich auch berührt, und zwar auf besonderer Art. Am Sonntag kam es nämlich zu musikalischen Berührungen zwischen Musikern aus Spanien und Kuba, die sich zu Münchnern gesellten und ihren Stil bulgarische Musiktradition gegenüberstellten: mit schwungvoller Tanzmusik bescherten diese Gruppen aus Ost und West den mehreren hundert Zuhörern eine hochwertige Party.
Den Auftakt des außergewöhlichen Konzertes macht die Münchner Salsaband Wawancó, eine Neuentdeckung, auf die der Vorsitzende des Jazzförderkreises St. Wendel Ernst Urmetzer zu Recht stolz sein kann. Mit stimmungsvoller, farbiger Musik zogen die elf Männer das Publikum sofort in ihren Bann. Schnell versammelten sich etwa 200 Besucher vor der Bühne und schwangen zum gleichmäßigen Vierteltakt des Salsa-Rhythmus - einzeln oder paarweise . die Tanzbeine. Geübte Tänzer drehten vor der Bühne Pirouetten. Kurzerhand gab der Gitarrist Roberto Tey Acostea aus Kuba einen Salsa-Tanzkursus. Der kubanische Sänger Javier Hernandes sprang gar von der Bühne und animierte das Publikum zum Mitmachen. Das ließ sich nicht lange bitten, riss die Arme hoch und folgte Acostats Anweisungen. Auch an Hernanes`Bauchtanzeinlagen hatten die Tänzer vor der Bühne ebenso viel Spaß wie die Musiker auf der Bühne.
Feurige, südländische Atmosphäre
Für feurige, südländische Atmosphäre sorgte vollends der Wechselgesang der beiden Kubaner, die mit kräftigen Stimmen die Zuhörer begeisterten. Auch ohne die deutsche Bläserbesetzung wirkte die Gruppe mit Congas, Bongos, Bass und Gesang faszinierend. Doch die Bläser verliehen der Band ihre ganz eigene Würze. Arrangeuer Alfred Michael Hartmann leitete mit schurwollen Läufen im Klavier zwischen fetzigen Solovorträgen von Posaune und Tormpete über. Für die Harmonieinstrumente war es besonder schwierig, den mitreißenden Salsa-Rhythmus flüssig vorzutragen, doch auch die deutsche Musiker hatten damit offensichtlich keine Probleme.
"Ich bin mal gespannt, wie ihr zu den ungewohnten Rhythmen der bulgarischen Musik tanzt"; bereitete Festival-Organisator Urmetzer die Fangemeinde auf den Auftritt des Gipsy Brass Orchestra Karandila vor. "Da funktioniert kein gleichmäßiger Viererschritt mehr." und wirklich: Kaum hatten die Tanzbegeisterten sich in eine Rhythmus eingefunden, zogen die Bulgaren das Tempo bis zum Nicht-mehr-tanzbaren an, bis sie schließlich immer wieder mit Taktwechseln das Publikum verwirrten. Aber die St. Wendeler und die von weiter her Angereisten zeigten ihren ganzen Erfindungsreichtum in Sachen Tanzbewegung. Manche nutzten den ganzen Saal um ihre Drehungen auszuführen, anderer sprangen einfach nur in die Luft und versuchten gängige Tanzmuster(...)